Air bee n‘ bee – STADTBIENEN AUF DEM BALKON

Bienen in der Stadt

Mit der Mission, Bienen einen Schutz- und Lebensraum zu bieten, finden sich immer mehr Großstädter, die einem faszinierenden Hobby nachgehen: dem Imkern. Mit Imkerkursen und der Bienenbox, einem ökologischen Zuhause für Bienen im handlichen Balkonkastenformat, gibt der Verein Stadtbienen e.V. Einsteigern die nötigen Mittel an die Hand. Im März 2019 beginnt die nächste Stadtbienen-Kursreihe in Nürnberg.

 

Die Stadt als neuer Rückzugsort

 

2018 fand am 20. Mai der erste offizielle Weltbienentag statt. Ausgerufen von den Vereinten Nationen soll der Tag darauf aufmerksam machen, wie wichtig Bienen für unser Ökosystem sind, aber auch das weltweite Bienensterben ins öffentliche Bewusstsein rücken. Bienen in ländlicher Umgebung leiden unter Monokulturen und dem massiven Einsatz von Pflanzenschutz- und Schädlingsvernichtungsmitteln. Als Rückzugsort und Lebensraum spielt die Stadt für die emsigen Insekten nicht zuletzt deshalb eine zunehmend wichtige Rolle.

 

 

 

„Die Qualität von Stadthonig ist erstaunlich gut, besser als die des Landhonigs, der oftmals mit Pestiziden belastet ist.“
Johannes Weber, Gründer Stadtbienen e.V.

 

Die Bienenbox für Balkon, Dachterrasse oder Stadtgarten

 

Als Johannes Weber vor einigen Jahren in Berlin mit der Stadtbienenhaltung begann, stand seine damalige Bienenbehausung noch auf dem Dachgarten des Nachbarhauses. Als dieser Platz nicht mehr verfügbar war, konstruierte Weber eine kompakte Bienenbehausung aus Holz, die eine Haltung an seinem Balkon erlaubte. Die Balkonbienen waren geboren und 2014 mündete Webers Aktion in der Gründung des gemeinnützigen Vereins Stadtbienen e.V. Ein mittlerweile fünfköpfiges Team organisiert heute deutschlandweit Imkerkurse und vertreibt parallel dazu online die Bienenbox.

 

„Allerdings ist die Bienenbox nicht für einen hohen Honigertrag konzipiert, sondern dient eher dem artgerechten Bienenschutz in der Stadt“, erklärt Weber. Die Box kann im Garten, am Balkon oder auf dem Dach angebracht werden. Der Honigertrag liegt pro Jahr bei etwa 15 Kilogramm.

 

„Die Kurse machen erfahrene Imker, die sicherstellen, dass die Leute an die Hand genommen werden. Die Begleitung ist intensiver als in vielen anderen Vereinsstrukturen.“

 

Nachwuchs-Imker werden – so geht’s!

 

In Nürnberg sind laut Veterinäramt etwa 200 Imker gemeldet, die insgesamt circa 1.200 Bienenvölker halten. Marc Schüller ist einer von ihnen; der Bio-Imker ist für Stadtbienen e.V. als Referent tätig und gibt sein Fachwissen an urbane Nachwuchs-Imker in der Region weiter. Am 30. März 2019 beginnt die nächste Kursrunde in Nürnberg, die insgesamt acht Einheiten sind thematisch auf das Bienenjahr abgestimmt. Jeder wichtige Schritt wird in der Praxis gemeinsam durchgegangen, sodass die Hobby-Imker im zweiten Jahr ihre Bienen selbstständig betreuen können. Bevor es losgeht, sind Bienenvölker allerdings dem zuständigen Veterinäramt zu melden; die Anzeige der Bienenhaltung erfolgt per Formular und ist kostenfrei. Bienenhalter benötigen außerdem eine Betriebsnummer, die vom Amt für Landwirtschaft und Forsten vergeben wird. Angst müsse keiner vor der friedlichen Honigbiene haben, auch nicht Kinder, meint Johannes Weber und ergänzt schmunzelnd: „Wenn ich direkt an der Bienenbox arbeite, macht es natürlich Sinn, den Imkerschleier zu tragen, ansonsten haben die Bienen weitaus Besseres zu tun, als irgendwelche Leute zu stechen.“

 

WAS MACHEN BIENEN EIGENTLICH IM WINTER?

 

Wenn es frostig wird, wird gekuschelt: Die Bienen bilden die sogenannte Wintertraube und ziehen sich zu einer Kugel zusammen. In der Mitte sitzt die Königin. Durch Vibration der Flügelmuskulatur im Brustbereich erzeugen die Bienen Wärme. Kühlen die außen sitzenden Bienen ab, so drängen sie nach innen und tauschen ihr Plätzchen. Der Honig, der in den warmen Monaten als Wintervorrat angelegt wurde, sichert jetzt das Überleben des Volkes.

www.stadtbienen.org