Die graue Eminenz: Beton als Trendsetter in Design und Ästhetik

Formschmiede Beton Accessoires

Im Interview mit der Schweizer Designerin Meri Zirkelbach

Schon seit einiger Zeit ist Beton im Einrichtungsbereich absolut in – nicht zuletzt, weil viele Designer ihn durch ausgefallene Kreationen und in formschönen Designs ins rechte Licht rücken. Eine von ihnen ist Meri Zirkelbach. Die Schweizerin entwirft und produziert in ihrer Formschmiede im schweizerischen Adliswil Wohnaccessoires aus Beton. Ihre Kreationen bestechen durch Minimalismus, Funktionalität und zeitloses Design. Nachdem wir Ihren Kreationen aus Beton bereits einen Blogbeitrag gewidmet haben, verrät sie uns jetzt im Interview mehr über ihre Arbeit und ihre Faszination für Beton.

Redaktion: Von der Vase über Schalen bis zum Gartenbrunnen – warum herrscht um Beton Ihrer Meinung nach derzeit so ein Hype?

Meri Zirkelbach: Lange haftete Beton ein eher kaltes, nüchternes Image an, aber das einst vom breiten Publikum eher ungeliebte Material hat sich zum Trendsetter in Sachen Design und Ästhetik gewandelt. Beton ist schön, warm, samtweich und lebendig und lässt sich hervorragend mit anderen Materialien kombinieren. Durch spezielle Betonmischungen und sorgfältige Herstellungsprozesse lassen sich überaus feine Details ausarbeiten. Ich denke, darin liegt auch der Reiz am Werkstoff Beton. Er ist vielseitig verwendbar und setzt Kreativität kaum Grenzen.

Red.: Warum haben Sie sich mit der Formschmiede speziell auf Produkte aus Beton spezialisiert?

Meri Zirkelbach: Ich war schon immer fasziniert von der einzigartigen Struktur von Beton. Das Material ist ehrlich und zeitlos, so wie ich es für mein schlichtes Design beziehungsweise meine klare Formensprache benötige. Die Kombination mit auserlesenen Naturmaterialien und somit der Kontrast von warmen und kalten Werkstoffen erzeugt einen Gegensatz und eine stimmige Ästhetik.

Die Materialstudien des Betons und das Erarbeiten meiner idealen Formschmiede-Rezeptur begründet meine Affinität zum Material und die Wertschätzung des Handwerks. Meine Betonrezeptur weist besondere Merkmale auf. Sie ist seidenglatt und angenehm zu berühren. Sie gibt Kanten, die durch meine Formen vorgegeben sind, präzise wieder. Zudem behält der Beton seinen matten Charakter und kommt ohne künstliche Nachbearbeitung aus.

Meri Zirkelbach in ihrem Atelier in der SchweizRed.: Inwiefern sind Ihre Produkte eine „Neuinterpretation von traditionellem Handwerk“?

Meri Zirkelbach: Wie jeder Baum ist auch jedes Objekt meiner Kollektion einmalig. Die Arbeitsschritte sind ablesbar, vergleichbar mit den Jahresringen eines Baumes. Bei der Arbeit von Formschmiede handelt es sich um eine Symbiose von traditionellem Handwerk und neuen Technologien. Traditionen dienen als Inspirationsquelle für nachhaltige Strategien. Das Wissen und die Kompetenz der handwerklichen Herstellungsweise werden verbunden mit einer zeitgemäßen Formensprache. Es entstehen Unikate mit individuellem Charakter. Durch Kombination von alten handwerklichen Techniken und fortschrittlichen Technologien kann ein neuer Mehrwert bei einem Produkt erschaffen werden, welches den authentischen, regionalen und handgemachten Charakter widerspiegelt.

Red.: Worauf legen Sie bei den verwendeten Materialen besonderen Wert?

Meri Zirkelbach: Alle Naturmaterialien, welche Formschmiede verwendet, sind handverlesen. Die Qualität der Ausgangsprodukte muss sehr hoch sein, damit das gewünschte Resultat auch erreicht wird.Die Rohstoffe für die Betonherstellung werden bewusst regional gewählt, um meinen nachhaltigen Ansprüchen zu entsprechen. Das Leder für die Unterseiten der Objekte wird zum Beispiel aus hochwertigen Lederproduktionsabschnitten von Möbelfirmen in eine neue Form gebracht. Auch bei der Verpackung lege ich großen Wert auf Recycling. Ökologische Werte und Nachhaltigkeit sind in der heutigen Wegwerfgesellschaft enorm wichtig und spielen eine zentrale Rolle in meinem Denken und Handeln.

Red.: Was mögen Sie besonders an der Arbeit in Ihrem Atelier?

Meri Zirkelbach: Jedes Mal, wenn ich meinen Beton herstelle, kann ich nicht widerstehen und muss mit der Hand die Masse berühren. Das Gefühl beim Durchkneten erfüllt mich immer mit Freude und bereitet mir ein Glücksgefühl. Die Betonmasse ist zu diesem Zeitpunkt weich und geschmeidig. Des Weiteren finde ich es erfüllend, dass ich alle Arbeitsschritte selbst mache und so direkten Einfluss auf die Qualität habe. Entwurf, Ausführung, Verpackung und Verkauf kommen also aus meiner Hand.

Red.: Was inspiriert Sie zu neuen Produkten?

Meri Zirkelbach: Jede Lebenssituation. Die Erstellung meiner Objekte ist ein langwieriger Prozess und durchläuft verschiedene Arbeitsschritte und Entwicklungsstadien. Am Anfang ist es nur eine grobe Vision, die sich anhand von Studien und Recherchen, Handmustern und Prototypen nach und nach zum finalen Objekt verfestigt.

Danke für das Interview!

Fotos: Meri Zirkelbach