Die Architektur der Gartenstadtbewegung

Wittenberg Piesteritz

Städte, die wie Gärten sind

Betonwüste war gestern – unsere Städte sollen grüner und dadurch lebenswerter machen. Doch ganz neu ist dieser Gedanke nicht. Davon zeugen die Gartenstädte, die nicht nur in Deutschland zu Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.

Zuvor hatten Gärten innerhalb der Städte, die im Zuge der Industrialisierung schnell angewachsen und daher dicht bebaut waren, meist keinen Platz. Doch Lebensmittel waren im Verhältnis zum Verdient damals übermäßig teuer, Flächen zum Anbau von eigenem Gemüse etc. äußerst rar und begehrt.

Die erste Gartenstadt wurde von einem Briten erdacht. Der Stenotypist Ebenezer Howard (1850 – 1928) gilt als ihr „Erfinder“. In seinem zentralen Werk „Garden Cities of Tomorrow“ beschreibt er die Gartenstadt als weit mehr als nur einen Vorort, sondern als eine unabhängige „Stadt in der Landschaft“, wo die Menschen in der Nähe ihrer Arbeitsstätten gut leben konnten.

Im Vordergrund stand bei Howard der städtebauliche und sozialreformerische Gedanke. Er träumte sogar von einem durch eine Eisenbahnlinie verbundenen System mehrerer Gartenstädte.

Kein Zufall

Dass die Gartenstadtbewegung ausgerechnet aus England stammt, ist kein Zufall. Im Arts & Crafts Movement, das Architektur als gesellschaftspolitische Mittel sah, rückte der Begriff Wohnqualität erstmals ins Bewusstsein.

In Deutschland gingen die sozialreformerischen Grundsätze nicht ganz so weit wie in den englischen programmatischen Schriften, war jedoch ebenfalls von Einflüssen der Lebensreformbewegung, des Jugendstils und des Sozialismus geprägt. Vor allem stand im Vordergrund, der herrschenden Wohnungsnot zu begegnen und durch die Gründung von Baugenossenschaften die Grundstück vor Spekulation zu schützen. Die erste deutsche Gartenstadt entstand in Hellerau bei Dresden und fand das Placet Howards.

Dresden-Hellerau
Typisches Haus der Gartenstadt

 

 „Dresden-Hellerau1“ von User:KolossosEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Wittenberg Piesteritz
Typische Gartenstadt

Wittenberg Piesteritz“ von DorisAntony aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

 

Kritik

Im modernen Kontext äußern Experten jedoch Zweifel, ob die Gartenstadt den Anforderungen der Zukunft genügend kann. In locker bebauten Städten liegt der Öl- und Stromverbrauch weitaus höher als in komprimierten Städten mit Hightech-Hochhäusern, die über entsprechende autarke Wasser- und Stromkreisläufe verfügen.