Fenster, mehr als nur Glas

Fenster sind mittlerweile viel mehr als nur Öffnungen in der Wand, die zur Belichtung und Belüftung der Innenräume dienen. Ursprünglich wurden diese Öffnungen mit Textilien oder Häuten verhängt, um Witterungseinflüsse abzuhalten. Doch schon die alten Römer kannten Glasfenster. Das verwendete Glas war jedoch nicht mit dem heutigen zu vergleichen, da es recht milchig und unregelmäßig strukturiert war.

Seit dem Mittelalter hat sich Glas als Fensterfüllung auch in unseren Breitengraden langsam durchgesetzt, wenn zunächst auch nur in Sakralbauten. Im Privatbereich dauerte diese Entwicklung noch sehr lange, etwa bis zum 19. Jahrhundert, als die Herstellung von klarem Fensterglas im Zuge der Industrialisierung weniger kostenaufwendig wurde.

Heute sind Glasfenster eine Selbstverständlichkeit. Doch in Zeiten steigender Energiepreise sind auch die Anforderungen an Fenster gestiegen: Diese müssen nicht nur aus qualitativ hochwertigem Glas bestehen, sondern auch Zugluft und Schall abhalten.

Bis vor wenigen Jahrzehnten bestanden Fensterrahmen meist aus Holz. Als organisches Material kann Holz sich jedoch verwittern und sich infolgedessen verformen. So können Holzfensterrahmen besonders bei fehlender Pflege und Instandhaltung mit der Zeit undicht werden. Diese Gefahr besteht bei modernen, verformungsresistenten Kunststoff- oder Alufenstern nicht.

Wie viel oder wie wenig Wärme durch den Rahmen nach draußen verloren geht, geht aus dem sogenannten U-Wert, dem Wärmedurchgangskoeffizienten, hervor. Laut aktueller EnEV (Energieeinsparungsverordnung) darf er nicht höher als 1,3 W/m²K (Watt pro Quadratmeter und pro Kelvin) liegen.

Welches Material man für die Fensterrahmen am besten auswählt, hängt natürlich auch vom Kostenfaktor ab. Vergleichsweise günstig sind Kunststofffenster in der Anschaffung. Ein großer Pluspunkt dabei ist auch, dass sie in vielen verschiedenen Farbtönen und Dessins, wie zum Beispiel mit imitierter Holzmaserung, erhältlich sind. Gute Kunststofffenster verziehen sich nicht. Doch je nach Materialqualität leiden sie unter der Witterung. UV-Strahlung verändert möglicherweise die Farbgebung oder die Oberfläche wird aufgeraut und verschmutzt dadurch leichter.

Alufenster sind witterungsbeständig und sehr verzugsresistent, können also wesentlicher länger beibehalten werden als Fenster mit Rahmen aus anderen Materialien. Bei Alufensterrahmen sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass keine Kältebrücke in Form von Hohlräumen innerhalb des Fensterrahmens besteht. Sonst droht auch hier die Heizkostenfalle.

Einen cleveren Ausweg bieten Fensterrahmen, die Materialien kombinieren. Bei Holz-Alu-Fenstern bietet die robuste Aluminiumhülle dem Holz im Kern Schutz vor Witterungseinflüssen, und gleichzeitig entfällt das Problem mit der Kältebrücke. Diese Art von Fenstern ist pflegeleicht, haltbar und schützt effizient vor Wärmeverlust. Ihr U-Wert entspricht meist sogar der für Passivhäuser gesetzlich vorgeschriebenen Größenordnung von unter 0,8 W/m²K.

Richtig Lüften

Erhöhte Dichtigkeit spart zwar Energie, doch aus demselben Grund muss nach dem Austausch alter durch moderne Fenster auch das Lüftverhalten angepasst werden. Ist der dauernde Luftaustausch der Raum- mit der Außenluft nämlich unterbunden, hat es Schimmel leichter. Um diesen zu vermeiden, wird empfohlen, mehrmals täglich die Fenster weit zu öffnen und die Raumluft komplett auszutauschen.

Bei Neubauten mit sehr dichter Gebäudehülle sollte am besten gleich ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung eingeplant werden.

Schallschutzfenster

Aber nicht nur möglichst geringer Wärmeverlust ist beim Fensterkauf wichtig. Fenster sollen daneben auch lästigen Lärm abhalten.

Als Schallschutzfenster werden Fenster eingestuft, die den Lärm, der von außen auf die Fensterscheibe trifft, um mindestens 25 Dezibel senken. Es gibt sechs Schallschutzklassen, aufsteigend nach ihren schalldämmenden Eigenschaften sortiert.

Für die Schalldämmung ist das Material, aus dem die Rahmen bestehen, relativ unwesentlich. Wichtig ist für Lärmminderung ist hingegen das verwendete Glas und der besondere Aufbau der Fenster.

Die Fensterscheiben stehen bei Schallschutzfenstern nicht in Verbund mit dem Fensterrahmen, da sich so wieder Schallbrücken ergeben würden. Sie bilden ein eigenes, in sich abgeschlossenes System, das mit elastischem Kleber bzw. Silikon in den Rahmen eingefügt ist. Der Abstand zwischen Verglasung und Rahmen beträgt ca. 5 mm. Durch diesen Spalt kann immer ein Druckausgleich geschaffen werden.

Im Hohlraum zwischen den Fensterscheiben befindet sich meist ein Luft-Gas-Gemisch mit dem Edelgas Argon, das Schallwellen weniger in Schwingung versetzen als die normale Luft. Dadurch kann sich der Schall nicht so gut ausbreiten und das Lärmniveau, das im Inneren der Wohnung ankommt, wird abgesenkt. Je größer der Abstand zwischen den Scheiben ist, desto weniger Lärm dringt durch.

Aber alle Finessen nützen natürlich nichts, wenn das Fenster an sich zwar den Schall dämmt, es jedoch nicht ausreichend dicht mit dem Rohbau verbunden ist. Um das zu verhindern, sollte die Einbaufuge beidseitig verputzt werden. Außerdem ist es empfehlenswert, den Bereich zwischen Rahmen und Mauerwerk mit Mineralwolle oder PU-Schaum auszukleiden.

Egal, ob Schall- oder Wärmedämmung – Fenster sollten grundsätzlich vom Profi eingebaut werden, da sich die Investition in hochwertige Fenster sonst nicht auszahlt.

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