FOUND. Jäger verlorener Möbelschätze

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„Trüffelschwein“, als ebensolches bezeichnet sich Tobias Markus selbst, natürlich mit einem charmanten Augenzwinkern. Sein Ladengeschäft FOUND. by Markus liegt in bester Innenstadtlage, gleich am Nürnberger Hauptmarkt. Wer alte Möbelstücke und klares Design zu schätzen weiß, wird sich an seinem großen Schaufenster vielleicht schon mal die Nase platt gedrückt haben.

 

 

Vom Flohmarkt in die Selbständigkeit

Einzigartige alte Möbelstücke sind Tobias Markus Leidenschaft. Schon vor vielen Jahren fing er an, Flohmärkte zu durchstöbern, immer, wie er sagt „in der Hoffnung auf Zufallsbegegnungen mit Objekten, die eine besondere Aura umgibt.“ Vor zehn Jahren machte der 40-Jährige seine Passion endgültig zum Beruf und bietet seither in seinem Laden in der Plobenhofstraße ausgewählte alte Möbel und Accessoires an. Jedes Objekt erzählt eine Geschichte, viel Interieur stammt aus den 1950er-Jahren, manches wirkt durch die Patina der Jahrzehnte erst recht interessant.

 

 

Möbelstücke aus der ganzen Welt

Für die „Trüffelsuche“ nutzt Tobias Markus sein privates Netzwerk und lässt dabei auch deutsche Grenzen hinter sich. Er besucht Händler, fährt auf Märkte und Messen in Norditalien, Frankreich und Belgien. Und er findet. Die Möbel und Leuchten in seinem Laden zeichnen sich durch eine gewisse Schlichtheit und klare Linien aus. Auf eine bestimmte Stilrichtung will er sich aber nicht festlegen, was zählt, ist sein persönlicher Geschmack. „Ich verkaufe nur das, was mir selbst gefällt, sonst fehlen mir die Verkaufsargumente. Die Entscheidung für ein Möbelstück ist im ersten Moment immer rein emotional, erst im zweiten Moment bewerte ich dann rational die Qualität.“

 

Markus erweckt alte Möbel-Klassiker wieder zum Leben

Manchmal entdeckt der Nürnberger auch alte Objekte, von denen kaum mehr als ein Gerippe übrig und nur noch die Idee einer Form erkennbar ist. Dann richtet er sie her, lässt sie aufpolstern, neu beziehen und erweckt sie ausdrucksstark und eigenwillig zu neuem Leben. Vor Jahren stieß er auf eine „Sessel-Ruine“ mit organisch geschwungenem Gestell und ausgestellten Beinen. Erst nach intensiver Recherche erfuhr Markus, dass er deutsches Möbeldesign von Fritz Neth aus den 1950er-Jahren errettet hatte. Er suchte und fand weitere Objekte aus der Serie und verkaufte sie bis nach Frankreich und in die USA. Mittlerweile sind Neths Sitzmöbel, auch dank Tobias Markus, als seltene Klassiker bekannt und bewegen sich auch preislich in einer neuen Dimension.

 

 

Möbelklassiker neu interpretiert

Wer grundsätzlich Designklassiker im perfekten Originalzustand sucht, wird bei Tobias Markus nicht unbedingt fündig werden. Ihm sind andere Aspekte wichtiger: „Ich bin keiner, der Sammler bedient, weil ich nicht auf große Namen, sondern vorrangig auf besondere Formen, Oberflächen und Ausstrahlung achte. Klassiker im Originalzustand gibt es bei mir eher selten. Ich möchte Kunden glücklich machen, die mit den Dingen tatsächlich leben. Die Objekte sollen einsetzbar, alltagstauglich und funktional sein.“ Tobias Markus, der auch als Einrichtungsberater tätig ist, gibt für eine gelungene Möblierung keine Standard-Empfehlung: „Das hängt von den individuellen Lebensbedürfnissen ab. Ein altes Möbel kommt besonders als Einzelstück zur Geltung. Andrerseits habe ich zuletzt für einen Kunden eine ganze Wohnung mit altem Interieur eingerichtet, auch das hat wunderbar funktioniert.“ Auf die Frage, was er denn als Kontrastprogramm vom Design des schwedischen Möbelriesen halten würde, entgegnet er lachend, dass mehrere seiner Kunden auf das IKEA-Kleiderschranksystem PAX schwören würden. Das sei quasi schon so etwas wie ein moderner Klassiker: „Das hat man auch, wenn man Ansprüche hat.“