Jetzt wird’s bunt: Wandfarben und ihre Anwendungsgebiete

 

Bei der Auswahl von Farben für das Streichen von Innenräumen kommt es nicht nur auf den richtigen Farbton an. Verschiedene Farbsorten haben verschiedene Eigenschaften – je nach Verwendungszweck. Das Wichtigste haben wir hier zusammengestellt.

Die Vielseitige: Dispersionsfarbe

Wie der Name schon sagt, ist bei einer Dispersionsfarbe das Farbpigment in Wasser „dispergiert“, (von lat. dispergere = zerstreuen). Das Wasser und die Pigmente verbinden sich mithilfe eines Bindemittels. Nach dem Anstreichen verdunstet das Wasser – zurück bleibt ein geschlossener „Farb-Film“ zurück, der auf den meisten Untergründen gut haftet.

Neben Volltonfarben gibt es unzählige Farbtöne, mit denen man weiße Farbe abtönen kann. Solche Farbtöne gibt es in Baumärkten etc. auch bereits fertig gemischt zu kaufen. Auch Texturen stehen zahlreich zur Auswahl – von glänzend bis matt, von stark deckend bis lasierend oder auch besonders strapazierfähig und abwaschbar ist Vieles möglich.

Dispersionsfarbe kann auch sehr gut wieder überstrichen werden. Ein weiterer Vorteil von Dispersionsfarbe ist, dass sie Wasserdampf durchlässt, ohne selbst Wasser aufzunehmen. Das heißt, dass Feuchtigkeit im Mauerwerk problemlos entweichen kann, ohne dem Anstrich zu schaden.

Möchte man sie jedoch wieder loswerden, wird es aufwendig. Wenn die Fläche, die die Dispersionsfarbe trägt, glatt und fest ist, kann man aber zum Beispiel auch einfach darüber tapezieren. Muss die Farbe aber tatsächlich ab, kann eine spezielle Dispersions-Beize helfen. Diese ist allerdings aufgrund ihrer Inhaltsstoffe nicht ganz unproblematisch und sollte als ultima ratio verwendet werden. Zuvor kann man versuchen, der Dispersionsfarbe mit Wasserdampf und schlicht und einfach roher Gewalt zu Leibe zu rücken.

Ihre Hartnäckigkeit kann der Dispersionsfarbe sowohl als Vor- als auch als Nachteil ausgelegt werden. Tatsächlich von Nachteil sind aber teilweise die Inhaltsstoffe. Meist wird Kunstharz, das auf Mineralölbasis hergestellt wird, als Bindemittel eingesetzt. Daneben können evtl. auch Konservierungsstoffe, Füllstoffe etc. enthalten sein, die ungesunde Dämpfe aussenden können.

Bio? – Logisch!

Für viele sind daher Bio-Farben das Mittel der Wahl. Dispersionsfarbe gibt es beispielsweise auch auf der Basis von Pflanzenöl. Solche Bio-Farben gibt es mittlerweile in großer Auswahl zu kaufen. Allerdings sind sie preislich meist höher angesetzt als Farben mit chemischen Inhaltsstoffen. Vor dem Streichen sollte speziell in Feuchträumen wie Küche und Bad darauf geachtet werden, dass die Farben hierfür auch tatsächlich geeignet sind.

Einer der ältesten Stoffe, die beim Innenausbau verwendet werden, ist Kalk – ein Naturstoff par excellence. Kalkputz für Innenräume ist nicht nur dekorativ, da er individuelle Gestaltungsmöglichkeiten einräumt. Zusätzlich vermag er es, überschüssige Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und auch wieder abzugeben. So verbessert er ganz nebenbei das Raumklima und schützt vor Schimmel, der besonders in wärmegedämmten Gebäuden begünstig wird, wenn nicht ausreichend gelüftet wird.

Eine andere Farbart auf natürlicher Basis und mit langer Verwendungstradition ist Kaseinfarbe. Hier fungiert das Protein Kasein als Bindemittel. Reines Kaseinpulver zum Anrühren gibt es im Fachhandel. Man kann sich hier den gewünschten Farbton auch vormischen lassen.

Kaseinfarben können auf Putz, aber auch auf Tapete aufgebracht werden. Sie können ohne Schwierigkeiten mehrmals überstrichen werden. Kaseinfarben sind wasserlöslich, aber nach dem Trocknen wischfest. Allerdings sollten sie aufgrund dieser Eigenschaft nicht in Feuchträumen verwendet werden. Hier sind Trockenfarben sinnvoller.

Ist die Kaseinfarbe verwendungsfertig angerührt, sollte sie direkt und vor Ablauf von ca. 24 Stunden aufgebracht werden. Bleiben Reste übrig, lassen sich diese einfach kompostieren.

Auch Lehmputze oder -farben erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Lehmfarbe ist im Vergleich zu Lehmputz weniger grobkörnig. Beide können auch gemischt werden,  um eine individuelle Struktur zu erhalten. Lehmfarbe gibt es in Weiß, welches dann mit ökologischen Pigmenten abgetönt werden kann. Etwas von Nachteil kann dafür sein, dass das Farbspektrum nicht ganz so viel hergibt wie bei chemischen Farben.

Die fertige Mischung kann ohne Weiteres auf festen, trockenen, staub- und fettfreien Oberflächen aufgebracht werden. Bei einem vorherigen Kalkanstrich muss zuvor an einer Stelle geprüft werden, ob dieser sich löst, wenn darüber gestrichen wird.

Eine neue Schichte Lehmfarbe auf einen bestehenden Lehmanstrich aufzustreichen, ist unproblematisch. Lehmfarben sind nicht geeignet für Feuchträume und können auch nicht abgewaschen werden. Schmutz entfernt man am besten mit einem speziellen Haushaltsradiergummi.

Silikat Valley

Silikate sind mineralischen Ursprungs und haften am besten auf ebensolchen Untergründen, mit denen sie sich dann fest verbindet. Diesen Vorgang nennt man Verkieselung. Bevorzugt werden Silikatfarben daher auf mineralischen Putzen oder Beton eingesetzt. Auf Tapete, Gips oder bereits vorhandenen Dispersionsfarbschichten haften sie generell nicht.

Auch Silikatfarben lassen Wasserdampf passieren – unter der Voraussetzung, dass der Malgrund dies auch tut. Algen- und Pilzbildung sind daher nicht zu erwarten. Dank ihrer UV-Stabilität ergeben sich bei Silikatanstrichen auch über längere Zeiträume hinweg keine Beeinträchtigungen des ursprünglichen Farbtons. Außerdem kann Hitze ihnen nichts anhaben.

Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich Silikatfarbe sehr gut für den Außenbereich, zum Beispiel Fassaden. Aber auch im Innenbereich werden sie gerne besonders wegen ihrer Schimmelresistenz eingesetzt. Allerdings sollte man dabei darauf achten, dass es sich um naturreine Silikatfarbe ohne Beimischung von chemischen Kunstharzen, Binde- oder Lösungsmitteln, Weichmachern oder Konservierungsstoffen handelt. Dann sind sie auch für Allergiker eine gute Option.

Der Nachteil von Silikatfarbe hängt ebenfalls damit zusammen, dass sie so extrem haltbar ist. Will man einen Silikatanstrich komplett beseitigen, wird es kompliziert. Farbspritzer etc., die versehentlich beim Aufbringen entstanden sind, sollte man deshalb umgehend mit viel Wasser entfernen. Auch Hautkontakt ist unbedingt zu vermeiden.

 

 Quelle Bildmaterial: www.alpina-farben.de, www.caparol.de, www.kreidezeit.de, www.tierrfino.de

ein Kommentar zu Jetzt wird’s bunt: Wandfarben und ihre Anwendungsgebiete

  • Claudius  says:

    Ich persönlich bin ein Fan von Silikatfarben. Hab damit bisher relativ gute Erfahrungen gemacht. Auch meine Kunden waren immer sehr zufrieden mit der Wahl der Farbe. Gerade in Zimmern, die zu Schimmel neigen, empfehle ich eine Innen-Silikatfarbe immer wieder. Aber auch im Außenbereich haben die Silikatfarben ihre Stärken.

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