Jugendstil – der erste Baustil der Moderne

Der Jugendstil ist der erste genuin moderne Stil ohne historisches Vorbild und entstand um die vorletzte Jahrhundertwende. Kunstgeschichtlich betrachtet füllt er die Lücke zwischen Historismus und dem, was unter dem Begriff „Moderne Kunst“ subsummiert wird.

Der Begriff als solcher geht auf eine Zeitschrift namens „Jugend“ zurück, eine „illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben“, die zwischen 1896 und 1940 in München herausgegeben wurde. Dennoch ist der Jugendstil kein bayerisches Phänomen, sondern breitete sich zeitgleich in einer Reihe europäischer Länder, wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung, in bildender Kunst, Design und Architektur aus.

 

Balkongeländer-Jugendstil

Fassadengestaltung im Jugendstil: Symmetrie und Arabesken.

Die Schönheit der geschwungenen Linie

Im französischen Sprachgebrauch nennt man den Jugendstil Art Nouveau, in Österreich spricht man vom Sezessionsstil, in England vom Modern Style und im Italienischen vom Stile Floreale. Als herausragendes Gestaltungsmerkmal gilt die geschwungene Linie, die Bauwerken durch Verwendung in Rundbogen, Arabesken oder in floralen Elementen eine fast organische Struktur verleiht.

Doch hinter dem Jugendstil steckt weitaus mehr als nur schöne Ornamentik. Unter anderem geht er auch auf die Maximen des englischen Arts and Crafts Movement zurück, das sich Schönheit, Nützlichkeit und Qualität im Kunsthandwerk auf die Fahnen geschrieben hatte. Zudem war die japanische Holzschnittkunst, die ihrerseits wiederum eine wichtige Voraussetzung für die Abstrakte Kunst war, bedeutend für die Entwicklung der Formensprache des Jugendstils.

Jugendstilfenster

Diesen Erker zieren prachtvolle Jugendstil-Fenster.

Bekannte Jugendstilperlen

Bauwerke im Jugendstil finden sich in vielen europäischen Städten. Einer der wichtigsten deutschen Jugendstilarchitekten war Paul Möbius, der vor allem in Leipzig zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser verwirklichte. Auch der flämisch-deutsche Architekt und Designer Henry van de Velde wird im Zusammenhang mit Jugendstilarchitektur oft genannt. Von ihm stammt etwa die Planung für die Kunstgewerbeschule in Weimar.

Auch Martin Dülfer ist einer der bekanntesten Namen in der deutschen Architekturgeschichte. Er verstand es, klassizistische und barocke Elemente mit den neuen Formen des Jugendstils zu verbinden. Viele Beispiele dafür kann man in München bewundern, wie zum Beispiel die Villa Bechtolsheim.

 

 

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