Organische Architektur: Frank Lloyd Wright

Frank Lloyd Wright (1867 – 1959) lebte zu einer Zeit, als sich die Geschwindigkeit der Welt von der Beschaulichkeit des 19. Jahrhunderts mit seinen Pferdekutschen hin zum bemerkenswerten Speed des 20. Jahrhunderts wandelte. Nicht wie viele seiner Zeitgenossen, die diese Entwicklungen nur widerstrebend akzeptierten, hieß Wright die sozialen und technischen Veränderungen, die mit der Industriellen Revolution einher gingen, enthusiastisch willkommen.

Er initiierte seine eigene architektonische Revolution. Inspiriert vom demokratischen Geist Amerikas und den Möglichkeiten, die er eröffnete, machte er sich daran, Gebäude zu entwerfen, die solche eine Demokratie würdig waren. Er ließ die importierten historischen, europäischen Stile hinter sich mit dem Ziel, eine Architektur zu schaffen, die die individuellen körperlichen, gesellschaftlichen und geistigen Bedürfnisse moderner Bürger ansprach.

Für Wright hatte Architektur nicht nur etwas mit der Konstruktion von Gebäuden zu tun. Vielmehr sollte sie das Leben derjenigen bereichern, die in diese Gebäuden ein- und ausgingen. Er wollte eine Umwelt schaffen, die die Bewohner Inspiration und Ruhe bescherte. Er nannte seine Architektur „organisch“ und beschrieb sie als „großen, lebendigen, kreativen Geist, der von Generation zu Generation, von Zeitalter zu Zeitalter wie die Natur des Menschen und allem, was dazu gehörte, voranschreitet, überdauert und erschafft.“

 

 

Guggenheim Museum

Guggenheim Museum, 1959.

 

Während seiner Lebenszeit von beinahe 100 Jahren nutzte Wright die Vorteile der neuen Materialen, die sich durch die beispiellosen wissenschaftlichen und technologischen Fortschritte des 20. Jahrhunderts ergaben. Dabei verlor er jedoch auch nie die geistigen und romantischen Werte des 19. Jahrhunderts, in dem er aufgewachsen war, aus den Augen.

Wrights Ankerpunkt und Muse war die Natur, die er stets groß schrieb. Es handelte sich dabei nicht um den äußeren Aspekt der Natur, sondern um die omnipräsente spirituelle Dimension. Er schrieb:

„Ich meine nicht den äußerlichen Aspekt der Natur, der das Auge berührt wie ein visuelles Bild das Linsenglas einer Kamera, sondern diese innere Harmonie, die die äußerliche Form durchdringt… und diese bestimmt den Charakter; dies macht die Bedeutung der Dinge aus und ist das Leben für uns – das, was Platon als die ‚ewige Idee der Dinge‘ bezeichnet.“

 

Seth Peterson House, Frank Lloyd Wright.

Seth Peterson Cottage, 1958.

 

Die Natur als Inspiration für die organische Architektur

Wright selbst wuchs naturnah und in enger Verbindung zu den kreativen Prozessen der Natur auf, die ihm immerzu Inspiration für seine Architektur lieferten. Er glaubte, Architektur müsse als ein einheitliches Ganzes stehen, aus der Landschaft erwachsen und diese bereichern. Alles sollte aufeinander abgestimmt sein und zur finalen Einheit beitragen, auch Einrichtungsgegenstände, Pflanzen oder Kunstwerke. Um solche ein Ergebnis zur materiell zu verwirklichen, erdachte er sorgfältig Pläne und Aufrisse, die auf einem durchgehenden geometrischen Muster gegründet waren. Gleichzeitig integrierte er seine Gebäude in die Umgebung, indem er Materialien, Formen und Bauweise entsprechend miteinander kombinierte.

 

Fallingwater Frank Lloyd Wright.

House Falling Water, 1937.

 

Durch die Vereinfachung von Form, Linie und Farbgebung und die das „rhythmische Zusammenspiel der Teile, das Gleichgewicht und die Balance, den Respekt, den die Form dem Material zollt, und der Ruhe, die in diesen Eigenschaften liegt“, kreierte Wright plastische, fließende und zusammenhängende Räume, die das Gegenstück zu den sich verändernden physischen und spirituellen Leben der Menschen, die darin lebten, bildeten.

 

Wirkung und Bedeutung der organischen Architektur

1991 ernannte das American Institute of Architects Frank Lloyd Wright zum bedeutendsten amerikanischen Architekten aller Zeiten, und der Architectural Record veröffentlichte eine Liste der 100 wichtigsten Gebäude des vorigen Jahrhunderts, die zwölf Wright-Entwürfe enthielt.

 

Boynton House Frank Lloyd Wright. Foto: Kim Bixler.

Boynton House, 1908.

 

Beth Sholom Synagoge Frank Lloyd Wright

Beth Sholom Synagoge in Elkins Park, Pennsylvania, 1954. Foto: Balthazar Korab.

 

25 Projekte von Wright wurden als Nationale Historische Wahrzeichen ausgewiesen. Weitere zehn wurden der vorläufigen Liste des Welterbes hinzugefügt. Diese Anerkennung – zusätzlich zu den internationalen Ehrungen, die er bereits während seines Lebens erhielt, zusätzlich zu den Dutzenden größeren Ausstellungen, Büchern und Artikeln, die ihm und seinem Werk gewidmet worden waren – bestätigt Wrights entscheidenden Beitrag zur Architekturgeschichte und der Architektur der Zukunft, die wir anhand dieses Erbes gestalten werden.

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