Die Chicagoer Schule erfindet den Wolkenkratzer

Wolkenkratzer, wie wir sie heute kennen, zu bauen, ist aus technischen Gründen erst seit dem 19. Jahrhundert möglich. Zuvor maßen – von Sakralbauten abgesehen – die höchsten Gebäude bis zu sechs Stockwerken. Ganz einfach aus dem Grunde, dass es zu anstrengend gewesen wäre, jedes weitere Stockwerk per Treppe zu erreichen.

Eine entscheidende Verbesserung stellte daher die Erfindung des besonders gegen Absturz gesicherten Fahrstuhls durch Elisha Otis dar. Auch die Verwendung von Stahl anstatt Holz als Baumaterial war eine wichtige Voraussetzung für die Errichtung von Hochhäusern, da weniger leicht entflammbar.

 

Chicago Hochhäuser

London Guarantee Building, Chicago.

 

Was geschehen kann, wenn Holzhäuser in Brand geraten, demonstrierte auf tragische Weise der Großbrand in Chicago im Jahr 1871: Da die meisten Häuser aus Holz bestanden, brannte die Stadt zum größten Teil ab. Gleichzeitig war dies die Geburtsstunde der Chicagoer Architekturschule, die in den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts Gebäude erstellten, die wegweisend für die Entwicklung der Formensprache der Moderne wurden.

 

Der Chicago-Stil

Als „Vater des Hochhauses“ gilt William Le Baron Jenney, der 1879 mit dem First Leiter Building (zerstört 1972) das erste Hochhaus mit sieben Stockwerken in Stahlskelettbauweise entwarf. Als erster „Wolkenkratzer“ im heutigen Sinn gilt sein Home Insurance Building, das als über zehn Stockwerke verfügte und die Elemente der Chicagoer Architekturschule vereinte.

Die Chicagoer Schule teilte die Fassade der Länge nach in drei Bereiche: Basis, Schaft und Kapitell. In der Horizontalen wurde die Fassade durch große, in Reihen angeordnete Fenster gegliedert, die Fensterreihen wiederum regelmäßig durch schnörkellose Steinpfeiler.

 

Sanierungsarbeiten am Hochhaus, Chicago.

Sanierungsarbeiten am Hochhaus, Chicago.

 

Wolkenkratzer - der Name ist Programm.

Wolkenkratzer – der Name ist Programm.

 

Diese Struktur war der einer klassischen Säule nachempfunden. Im Erdgeschoss waren große Schaufensterflächen und Ladenlokale vorgesehen. Die für damalige Verhältnisse sehr aufwendige Haustechnik mit dem Aufzugantrieb wurde ganz oben in einem eigenen Stockwerk untergebracht, dessen Dach häufig als Attika – also als Aufsatz über dem Hauptgesims – ausgeführt wurde.

 

Große Namen der Schule von Chicago

Die Schule von Chicago entwarf allerdings auch Gebäude außerhalb Chicagos. Vor allem in New York wurden zahlreiche Hochhäuser gebaut, aber auch anderswo, wie zum Beispiel das legendäre Wainwright Building in St. Louis von Louis H. Sullivan und Dankmar Adler.

 

Chicago Gebäude

Das Stadtbild von Chicago ist durch das Zusammenspiel von Hochhäusern alten und neuen Typs geprägt.

 

Wolkenkratzer verjüngten sich früher nach oben.

Wolkenkratzer verjüngten sich früher nach oben.

 

Weitere Vertreter der Chicagoer Schule sind: Daniel H. Burnham (Rookery Building), William Holabird (Republic Building) und John W. Root (Phenix Building).

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