New Urbanism: die Stadt neu entdecken

Wieder in die Stadt zu ziehen, ist bereits heute Trend. Nun sind kluge Stadtumbaukonzepte gefragt, die die autofreundlichen Innenstädte der 50er und 60er Jahre wieder zu lebenswerten Wohnorten verwandeln.   Das Wachstum von Trabantenstädten, Vororten von Vororten und Einkaufszentren auf der grünen Wiese, meist am Rand großer Städte, „fressen“ jedes Jahr große Flächen. In Deutschland […]
Wieder in die Stadt zu ziehen, ist bereits heute Trend. Nun sind kluge Stadtumbaukonzepte gefragt, die die autofreundlichen Innenstädte der 50er und 60er Jahre wieder zu lebenswerten Wohnorten verwandeln.   Das Wachstum von Trabantenstädten, Vororten von Vororten und Einkaufszentren auf der grünen Wiese, meist am Rand großer Städte, „fressen“ jedes Jahr große Flächen. In Deutschland […]

Wieder in die Stadt zu ziehen, ist bereits heute Trend. Nun sind kluge Stadtumbaukonzepte gefragt, die die autofreundlichen Innenstädte der 50er und 60er Jahre wieder zu lebenswerten Wohnorten verwandeln.

 

Das Wachstum von Trabantenstädten, Vororten von Vororten und Einkaufszentren auf der grünen Wiese, meist am Rand großer Städte, „fressen“ jedes Jahr große Flächen. In Deutschland sind bereits jetzt ca. 12,5 Prozent der vorhandenen Fläche besiedelt. Einzelhaussiedlungen abseits des geschlossenen Ortsbildes tragen zu einer Zersiedelung der Landschaft bei. Bei den Vororten, die sich nach und nach immer weiter ins Land schieben, handelt es sich oft um reine „Schlafstädte“, das heißt, ihre Bewohner befinden sich tagsüber im Stadtzentrum an ihren Arbeitsplätzen, in der Schule oder Ausbildungsstätte und kehren erst abends wieder zurück. Ein wirkliches Stadtleben spielt sich indes nicht ab, ein eigenes Stadt(-teil)zentrum gibt es meist nicht.

monotone-Vorstadt
Die Monotonie in „Suburbia“.

 

Infolge des Pendlerverkehrs müssen aber auch die entsprechenden Verkehrswege, v.a. für den Individualverkehr, bereitgestellt werden. Kritiker der Zersiedelung bemängeln nicht nur, dass dadurch die Landschaft obendrein noch zerschnitten wird, sondern auch die Emission von Lärm und Abgasen steigt. Damit mangele es der vermeintlichen Oase der Ruhe fernab des Stadtkerns genau an der Lebensqualität, weswegen die Menschen ursprünglich außerhalb – im Grünen – wohnen wollten.

 

 

Schöner Wohnen in der Stadt

Die Gegenbewegung zur Zersiedelung ist der New Urbanism. Ziel ist es, die Innenstädte als Wohnraum aufzuwerten. Die Stadtplanung soll sich nachhaltig positiv auf das Zusammenleben der Menschen auswirken.

Zehn Prinzipien liegen dem New Urbanism zugrunde. Beispielsweise sollen die meisten Anlaufstellen innerhalb von zehn Minuten zu Fuß erreichbar sein. Einerseits dient dazu ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr. Andererseits müssen auch Geh- und Radwege komfortabel gestaltet werden und zur Benutzung einladen.

Wohnen, Arbeiten und Gewerbe sowie Grünflächen sollen einen ausgewogenen Mix eingehen und auch die Bevölkerungsstruktur soll sich durchmischen. Der öffentliche Raum ist nicht nur unbebauter Platz zwischen Gebäuden, sondern soll durch ansprechende Architektur und Umweltgestaltung zu einem Raum werden, in dem sich Menschen wohl fühlen können.

 

Vorteile

… für Bewohner: Höhere Lebensqualität

Die neuen Innenstädte sind Orte, an denen man gerne lebt, arbeitet und spielt. Der motorisierte Verkehr geht zurück. Man muss sich selbst weniger hinter das Lenkrad klemmen und profitiert so von einer gesünderen Lebensweise mit mehr Bewegung und weniger Stress, ganz abgesehen von den gesundheitlichen Verbesserungen durch weniger Lärm und Abgase.

Außerdem sinkt so auch die Gefahr, die vom Straßenverkehr ausgeht, so dass sich auch Kinder und ältere Menschen sich selbstständiger draußen fortbewegen können. Sie brauchen einfach niemanden mehr, der sie irgendwo hin fährt, weil man zum Beispiel die Schule, die Seniorengruppe, die Freunde oder den Arzt zu Fuß erreichen kann.

In einer fußgängerfreundlichen Umgebung ergeben sich mehr Gelegenheiten, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise werden nachbarschaftliche Beziehungen gestärkt und die Gegend wird insgesamt freundlicher.

 

… für Geschäftsleute: Mehr Laufkundschaft

Inhaber müssen weniger Geld für großformatige Werbeplakate ausgeben, die man selbst noch im Vorbeifahren lesen kann, um Kundschaft in den Laden zu locken, wenn die Leute einfach an der schön dekorierten Auslage vorbeiflanieren. Auch haben Menschen, die nicht mehr so viel Geld fürs eigene Auto und für Sprit ausgeben müssen, mehr für Spontankäufe übrig. Sie müssen keine großen Parkflächen bereitstellen, denn die Menschen kommen zu Fuß oder mit dem Rad.

In Zeiten, in denen der Online-Handel dem stationären Handel große Konkurrenz macht, ist man als Ladenbesitzer auf Stammkundschaft angewiesen. Da Ihr Geschäft aber „gleich um die Ecke“ liegt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kunden bald wiederkommen statt im Internet zu bestellen.

 

 

… für Projektentwickler: Kompakter und kostengünstiger

Mehr Verdienstpotential tut sich durch Projekte mit verdichteter Mischnutzung auf, denn auf derselben Fläche stehen mehr vermietbare Quadratmeter zur Verfügung. Solche Projekte werden in Gemeinden, die intelligente Wachstumskonzepte adaptiert haben, schneller Beifall finden als Projekte „auf der grünen Wiese“. Es wird schließlich dank der guten Vernetzung innerhalb des Viertels keine zusätzliche Verkehrsbelastung auf Hauptverkehrsstraßen zurollen, so dass einzelne Projekte keinen weiteren „Flächenfraß“ nach sich ziehen.

 

… für Gemeinden: stabile Steuereinnahmen

Gemeindeverwaltungen müssen weniger Geld für Infrastrukturmaßnahmen wie den Bau und Unterhalt von Straßen in entlegene Vororte ausgeben. Die tägliche Stauproblematik wird sich entschärfen. Steuereinnahmen steigen, wenn mehr auf geringerer Fläche verkauft wird. Stadtzentren liegen nachts nicht brach und allein die Anwesenheit von Menschen zu jeder Zeit senkt die Einbruchsrate. Bürgerliches Engagement für das Gemeinwohl wird gefördert: Zum einen haben die Menschen mehr Zeit dafür, wenn lange Pendelzeiten entfallen. Zum anderen wird das Interesse an der Gestaltung der eigenen Umwelt gefördert, wenn die Menschen tatsächlich auch in der Stadt leben.