Tour de Kork – natürliches Material, viele Anwendungen

Kork kennt man zumeist als Flaschenverschluss oder auch als Fußbodenbelag. Das erstaunlich vielseitige Material kann aber noch viel mehr. Einen Einblick gewährt uns Blogger Igor, der dieses Jahr bei der Korkernte in Portugal dabei war, auf seinem Happy Interior Blog.

Exklusiv für die Leser unseres Wohnblogs haben wir seinen Bericht ins Deutsche übertragen.

Letzte Woche bin nach Portugal aufgebrochen, und zwar mit einer Mission: mehr über das natürliche Material Kork und seine Verwendung in der Innenarchitektur. Und, um selbst Kork zu ernten, in der Gegend um Alentejo in Südportugal. Meine Blogger-KollegInnen Anette, Nic und Indre waren ebenso mit von der Partie wie eine Handvoll deutscher Wohn-Journalisten. Auf Einladung der PortugiesischDeutschen Korkgesellschaft nahmen wir an einer dreitägigen Pressereise nach Lissabon, Porto und zu den Korkwäldern von Alentejo teil. Über die wunderbaren Momente in Lissabon und Porto berichte ich in Kürze.

Zuallererst: Diese Reise hat meine Haltung zu Kork wirklich verändert. Während ich im Flugzeug nach Lissabon saß, ging ich alle Kork-Sachen durch, die ich zu Hause habe oder die ich anderen Leute jemals geschenkt hatte – eine Teekanne aus Kork, ein paar andere Küchenaccessoires mit Kork-Elementen, aber das war es dann eigentlich auch schon. Nicht besonders viel, dafür dass dieses Material gerade ein Revival in der Designerszene erlebt – auf den diesjährigen Designmessen hatte ich ziemlich viel Kork gesehen. Nachdem Kork zuletzt in den 70er und 80er Jahren großer Beliebtheit erfreute, kommt dieses Material jetzt wieder.

Um einen ersten Eindruck von den vielfältigen Einsatzvarianten in Innenraumgestaltung und Architektur, besuchten wir eine Privatschule in Lissabon mit einer Korkfassade und legten einen Zwischenstopp beim Microsoft Hauptquartier mit seinen Korkboden und –lampen.

Aber bevor ich dazu kam, mich eingehender mit Korkprodukten für das moderne Zuhause zu beschäftigen, sollte ich mehr über Kork in seinem natürlichen Habitat lernen: die Rinde der Korkeiche nämlich und wie sie geerntet wird. Zu diesem Zweck fuhren wir von Lissabon in die Alentejo-Region. Unser Road Trip endete in der wilden Schönheit eines Korkeichenwaldes mitten im Nirgendwo.

Unterwegs erfuhren wir beeindruckende Fakten über Korkeichen: Eine Korkeiche muss 25 Jahre wachsen, bevor zum ersten Mal Kork geerntet werden kann. Danach muss sich die Korkrinde neun Jahre lang regenerieren, bevor man wieder ernten kann. Kork ist definitiv ein Langzeitprojekt – und ein nachhaltiges dazu!

Die Ernte stimuliert das Nachwachsen der Korkrinde. Die Erntetechnik selbst ist eine Kunst für sich. Die Arbeiter wissen genau, wie sie die Rinde abtrennen müssen. Unter der geernteten Rinde ist bereits eine neue Rindenschicht angelegt, die nicht verletzt werden darf.

Wie die Leute von den Bäumen fast wie von Menschen sprachen, hat mich sehr beeindruckt. Das zeigt, wie groß die Hingabe an Portugals Nationalbaum ist, der auch per Gesetz geschützt ist.

Als nächstes wird die Korkrinde zur Weiterverarbeitung zu den verschiedenen Firmen wie Amorim transportiert. Dort werden traditionelle Korken für Wein- und Sektflaschen, Fußböden und Wandverkleidungen usw. hergestellt. In der Fußbodenabteilung bei Amorim erfuhren wir viel über die Vorteile von Korkböden. Abgesehen davon, dass sie natürlich und nachhaltig sind, sind sie auch äußerst haltbar, dämpfen den Trittschall und fühlen sich angenehm warm an.

Oh, und wenn Sie wie ich Parkettfußboden mögen, wussten Sie, dass es auch Korkboden mit echter Holzbeschichtung gibt, der die Vorteile von Kork mit dem tollen Look von Holz verbindet?

Das war mir neu. So einen Fußboden hätte ich gerne in meinem zukünftigen Zuhause.

Heutzutage gibt es viele Menschen, die “besser” und nachhaltiger leben wollen, indem wir unsere urbanen Lebensräume mit natürlichen Elementen verknüpfen. Wir machen Urban Gardening, wir kaufen regional angebautes Biogemüse und so weiter. Aus demselben Grund, warum wir das tun, sollten wir uns auch Gedanken über natürlich und nachhaltig ausgestattete Wohnungen machen. Eine Sache, die ich definitiv von unserer Reise mitgenommen habe, ist, dass Kork ein Material ist, mit dem sich moderne Innenräume nachhaltig designen lassen.

 

 

Alle Fotos ©Igor Josifovic.