Upcoming: Wohntrends 2017

Wohntrends Gabriela Kaiser

Experten-Interview zum Thema Wohntrends

Zum Start unserer geplanten Serie „Wohntrends 2017“ sprachen wir mit einer Expertin auf diesem Gebiet: der Inhaberin der „TRENDagentur“, Gabriela Kaiser. Die gelernte Textiltechnikerin und Designerin macht für Unternehmen verschiedenster Branchen relevante Trends aus und entwickelt daraus innovative Konzepte. Aus ihrer Feder stammen
Moodboards und Lookbooks für Unternehmen aus Industrie und Handel. Als Impulsgeberin und Querdenkerin wollten wir von Gabriela Kaiser mehr über die Trendsuche erfahren.

Gabriela Kaiser

Gabriela Kaiser, Inhaberin TRENDagentur

Redaktion: Woher kommt Ihr „Händchen“ für das ausfindig machen von Wohntrends?

Gabriela Kaiser: Tja, das ist wohl angeboren. Wichtig in meinem Beruf ist es, neugierig zu sein, offen für Neues und nicht alles werten zu wollen. Mir persönlich muss nicht jeder Trend gefallen und trotzdem kann er richtig und wichtig sein. Ich lasse mich von meinem persönlichen Geschmack nicht leiten, sondern versuche, so objektiv wie möglich auf Dinge um mich herum zu schauen. Meine kreative Ader verbunden mit meinem guten Farbgefühl auf der einen Seite und meine analytische Denkweise auf der anderen Seite kommen mir da sehr gelegen.

Redaktion: Ihr Trendbuch für die Wohntrends 2017/18 titelt mit „Feelings of comfort“. Was bedeutet das heute für das eigene Zuhause?

Gabriela Kaiser: Das Thema des Wohlfühlens im eigenen Zuhause ist heute das zentrale Thema. Die Bewohner dieser Räume wollen daheim einen Ort haben, an dem sie sich fallen lassen können, regenerieren, zur Ruhe kommen, Kraft tanken… Es geht nicht mehr darum Repräsentanz zu demonstrieren wie in der Vergangenheit, wo es vor allem schön sein musste und nicht bequem sein brauchte. Heute soll das Zuhause, in dem ich meine Familie und meine Freunde einlade, Geborgenheit und Wohligkeit ausstrahlen, damit wir eine schöne gemeinsame Zeit zusammen verbringen können. Wichtig ist dabei aber zu sehen, dass es nicht ein Rezept gibt, dass für alle gleich richtig ist.

Wir alle haben verschiedene Bedürfnisse und fühlen uns in verschiedenen Umgebungen wohl. Mein Mann und ich sind minimalistisch veranlagt mit Tendenz zur Natürlichkeit. In unserem Wohnbereich liegen Fliesen in kühler Betonoptik, aber im Sofabereich ist uns heute ein gemütlicher Teppich wichtig, der eine leichte warme Beigenote hat. Unser Esstisch birgt in sich diesen Mix aus moderner Coolness und Natürlichkeit, denn die Platte besteht aus alten Holz-Bahnschwellen und darauf liegt eine Glasplatte und die Beine sind aus glänzendem Chrom. Für uns ist das Gleichgewicht von kalt und warm bei den Materialien wichtig. Früher umgab sich der Minimalist vor allem mit kühlen Materialien und Optiken.

Redaktion: Wie gehen Sie bei Ihrer Trendsuche vor?

Gabriela Kaiser: Ich bin immer auf der Suche nach Trends. Trends werden nicht gemacht, sondern entstehen aus unseren Bedürfnissen. Wenn ich einkaufen gehe, finde ich es spannend zu schauen, was die Leute kaufen – bei Lebensmitteln, Kleidung, Wohnaccessoires… Dann besuche ich jedes Jahr ganz verschiedene Messen – von kleinen Avantgarde-Messen, wie die Blickfang, über internationale Möbelmessen, wie die Salone del Mobile in Mailand, bis hin zu Konsumgütermessen, wie die Ambiente in Frankfurt. Zudem schaue ich mir die Bilder der internationalen Modenschauen an. Dann suche ich nach Neuigkeiten und Übereinstimmungen. Habe ich neue Farben gesehen? Neue Farbzusammenstellungen? Neue Materialien? Neue Muster? Wenn ja, frage ich mich, ob ich darin Potential sehe, dass dies vielen Menschen gefallen könnte? Da ich schon viele Jahre Trends beobachte, sehe ich schnell, was alt ist und was neu.

Redaktion: Wie lassen sich generell Trends auch ohne aufwendiges Möbelrücken und durch kostspielige Neuanschaffungen umsetzen – welche Tipps und Tricks haben Sie für unsere Leser?

Gabriela Kaiser: Ich persönlich bin ein großer Fan von einer neutralen, unbunten Grundeinrichtung, denn dann kann ich sehr schnell und recht preisgünstig ein neues Bild in den Raum zaubern, indem ich die Akzentfarbe verändere. Im Wohnbereich werden dann einfach die Heimtextilien, wie Kissen, Wohndecke und Vorhänge, ausgetauscht sowie die Wohnaccessoires, wie Vasen, Schüsseln, Kerzen, die alle in ein oder zwei Akzentfarben gehalten sind. Im neutralen Bad schafft man ein neues Bild durch eine andere modische Handtuchfarbe und Badaccessoires in der gleichen Farbigkeit. So kann man das mit jedem Raum handhaben.

Redaktion: Bei all der Trendsuche und den vielen Inspirationen – Wie oft gestalten Sie Ihr eigenes Zuhause um?

Gabriela Kaiser: Das Problem ist, dass es die Dinge, die ich haben möchte, oft noch nicht gut zu kaufen gibt, wenn sie mich interessieren, und wenn es sie dann gibt, dann interessieren sie mich meist nicht mehr. Ich lebe in Gedanken ja meist schon in der Zukunft. Trotzdem gibt es natürlich immer mal wieder neue Eyecatcher, die in unser Zuhause Einzug halten.

Danke für das Interview! Das nächste Thema unserer Trendserie: Natural Grounding. Wie Sie die Natur ins städtische Wohnzimmer holen.

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