Urban Gardening

Blühende Balkonblumen

Grüne Revolution in der Stadt

Sollte das Gärtnern in der Stadt in der Historie hauptsächlich die Ernährung in Zeiten des Mangels sicherstellen, so ist Urban Gardening mittlerweile zum Trend avanciert. Nach der industriellen und digitalen Revolution verändert nun die grüne Revolution das Leben der Menschen und beeinflusst in den Großstädten nicht nur das Stadtbild, sondern auch das Verhältnis der Menschen zu ihrer Umwelt sowie zueinander.

Spätestens seit der Häufung von Lebensmittelskandalen in den letzten Jahren sind die negativen Auswirkungen industrieller Lebensmittelherstellung im Bewusstsein der meisten Menschen angekommen. Viele wünschen sich nachhaltig produzierte und unbelastete Lebensmittel – und was kann vertrauenswürdiger sein als Lebensmittel, die eigenhändig und nach ökologischen Prinzipien angebaut wurden? Kein Wunder also, dass sich derzeit immer mehr Leute für die Urban Gardening-Bewegung begeistern.

Gut fürs Klima und die Nachbarschaft

Nahrungspflanzen auf kleinem Raum im städtischen Umfeld anzubauen, hat in Deutschland eine lange Tradition. Die Lebensmittelproduktion war in früheren Zeiten immens aufwendig und die Kosten für nicht selbst Angebautes dadurch exorbitant hoch. Das galt in besonderem Ausmaß für die Stadtbewohner: Durch die Industrialisierung drängten ab Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Menschen in die Städte, um in den neuen Fabriken zu arbeiten. Doch das Einkommensniveau lag sehr niedrig, Essen machte einen großen Teil der Ausgaben aus. Vielen blieb schlicht und einfach nichts anderes übrig, als hinter dem Haus Kartoffeln etc. für den Eigenbedarf zu pflanzen.

Heutzutage, wo der Gang in den Supermarkt mit seinem erschwinglichen Nahrungsmittelangebot normal ist, tritt beim Stadtgärtnern verstärkt die soziale Komponente in den Vordergrund: Öffentliche Stadtgärten, die gemeinschaftlich bewirtschaftet werden, dienen nebenbei als Treffpunkt für die Nachbarschaft. Auf diese Weise wird der Zusammenhalt im Viertel gestärkt und der Anonymität der Großstadt ein Stück weit entgegengewirkt.

Urban Gardening bringt Stadtmenschen die Natur wieder näher. Die städtebaulichen Konzepte der Vergangenheit  haben großzügige Grünflächen leider oft vernachlässigt, weswegen man sich heutzutage oft Betonwüsten gegenüber sieht, die sich an heißen Sommertagen unerträglich aufheizen. Größere zusammenhängende Grünflächen tragen hingegen viel zur Verbesserung des Klimas bei: Die Gartenareale heizen im Sommer weit weniger auf als Asphalt, die Pflanzen filtern Schadstoffe aus der Luft, Staub und überschüssiges Oberflächenwasser werden gebunden, und viele Tierarten finden hier ein Biotop. Auch Dachgärten und begrünte Fassaden sind nicht nur schön anzusehen, sondern dämmen darüber hinaus die Gebäude auf natürliche Art und Weise sowohl gegen Hitze als auch Kälte.

Gärtnern auf Balkonien

Auf den Geschmack gekommen, aber kein Flachdach und keine Freifläche in Sicht? Macht nichts, denn selbst im kleinen Rahmen auf dem Balkon lässt sich erfolgreich und mit viel Spaß Urban Gardening betreiben. Pflanzen wie Tomaten, Bohnen und Möhren gedeihen auch im Pflanzkübel oder Reissack. Mittlerweile gibt es sogar Züchtungen speziell für den Anbau auf dem Balkon zu kaufen. Diese wurzeln beispielsweise platzsparender oder neigen weniger zu Seitentrieben als herkömmliche Sorten, die im Beet gezogen werden.

Gegenüber dem Anbau auf der freien Fläche bietet Balkongärtnern sogar große Vorteile: In frostigen Nächten, die in der Übergangszeit manchmal unerwartet auftreten können, erfrieren die Pflanzen weniger leicht, wenn sie nahe an der Hauswand stehen, an heißen Tagen sind sie dank Balkonüberdachung oder Markise wiederum nicht der sengenden Sonne ausgesetzt.

Natürlich sind Balkongärtner wie auch die „echten“ gut vernetzt. In zahlreichen Internetforen können Erfahrungen und Tipps ausgetauscht werden, und auch „offline“ gibt es den ganz klassischen Stammtisch für „Kleinstgärtner“ und tolle Gemeinschaftsprojekte in Form von Stadtgärten auf Brachflächen in der City, denen man sich anschließen kann.

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