Wie Sie mit Bildern Stimmungen erzeugen

Experteninterview Ulrike Stauss - Bildwirkung

Im Experteninterview mit Ulrike Strauss

Mit Kunst ein bestimmtes Raumgefühl zu erzeugen – darum dreht sich alles bei „Freudenkind“. Die Experten um Inhaberin Ulrike Strauss entwickeln individuelle Gestaltungskonzepte für dekorative Kunst in Praxen, Büroräumen, der Gastronomie und Hotellerie. Schließlich soll das Wohlfühlen nicht vor der eigenen Haustüre enden – auch außerhalb des Zuhauses, im Arbeitsalltag oder beim Cafébesuch, wollen wir uns in einer angenehmen Umgebung aufhalten. Im Interview erklärt Ulrike Strauss die Wirkung von Bildern.

Redaktion: Durch Bilder können Stimmungen erzeugt werden – wodurch zeichnen sich Energie- und Relaxbilder aus?

Ulrike Strauss: Energiebilder sind wahre Kraftbündel. Typische Farben dafür sind alle Rottöne, die eine anregende, stimulierende Wirkung auf Menschen haben. Diese Bilder können besonders die kommunikativen oder kreativen Bereiche in unserem Zuhause aufwerten. Also beispielsweise das Ess- oder Arbeitszimmer. Relaxbilder verfolgen dagegen ein ganz anderes Ziel: Sie unterstützen uns darin, zur Ruhe zu kommen, und eignen sich hervorragend für das Schlaf- oder auch das Wohnzimmer. Sie sind in kühleren Farben wie Grün oder Blau gehalten.

Red.: „Jetzt fehlen nur noch Bilder an der Wand“, der Spruch ist oft nach einem Umzug zu hören. Warum sollte man bei der Bildauswahl schon vorhandene Möbel, Textilien und andere Wohnaccessoires mit einbeziehen?

Ulrike Strauss: Bilder haben eine hervorragende Eigenschaft: Sie sind sehr flexibel. Entweder wirken sie unterschwellig, oder aber sie sind echte Hingucker und lösen einen Aha-Effekt aus. Wenn wir uns also überlegen, welche Atmosphäre wir zu Hause haben möchten, ist es wichtig zu wissen, dass diese sich aus allen Sinneswahrnehmungen zusammensetzt. Dazu gehören Geräusche und Musik, Beleuchtung, Gerüche, Temperatur, Farbe, Formen, Stoffe, Pflanzen, Möbel, Boden- und Wandgestaltung und natürlich Bilder. Wenn wir uns beispielsweise für den nordischen Landhausstil entscheiden, sollte er sich in all diesen Komponenten, also auch bei der Bildauswahl, wiederfinden.

Red.: Beton, Stein und Glas – moderne Neubauten werden von klaren Linien und eher harten Materialen bestimmt. Wie können neben weichen Textilien auch Akustikbilder zum Wohlbefinden beitragen?

Ulrike Strauss: Akustikbilder sind wunderbar geeignet, um die perfekte Atmosphäre zu kreieren: als Designobjekte an der Wand können sie laute Geräusche optimieren – Stimmen, den Kaffeeautomaten, aber auch den Fernseher und Musik. Wie das funktioniert? In Akustikbildern befinden sich
sogenannte Schallabsorbierer, die den lästigen Schall aufsaugen. Gerade in der modernen Innenarchitektur, wo alles etwas spartanischer zugeht, fehlen häufig die Schallschlucker von früher wie Gardinen, Teppiche, Tapeten. Ist der Nachhall zu stark, kann das bei uns Stress und Unwohlsein auslösen. Mit Akustikbildern ist es möglich, dem entgegenzuwirken. Praktisch: Größe und Motive der Bilder sind frei wählbar.

Red.: Inwiefern spielt das Thema Storytelling eine nicht unwesentliche Rolle bei der Bildauswahl?

Ulrike Strauss: Storytelling wird im Interiorbereich großgeschrieben. Die meisten von uns identifizieren sich mit ihrem Zuhause und möchten in der Einrichtung auch ihre Persönlichkeit ausdrücken. Dabei geben wir einiges von uns preis. Lieben wir es minimalistisch, oder bevorzugen wir den natürlichen Stil mit viel Holz, Fell und anderen natürlichen Materialien? Sind wir Traditionalisten, oder mögen wir es prunkvoll und überladen? Nur wenn die Gestaltung zu uns passt, werden wir uns zu Hause geborgen fühlen. Gelingt das nicht, fehlt die Authentizität, und das spüren wir als Bewohner, aber auch unsere Gäste.

Esszimmer Bild mit Baum

Red.: Viele Ihrer Bilder zeigen Naturmotive – warum ist das Thema, die Natur von draußen nach drinnen zu holen, heute so präsent?

Ulrike Strauss: Die digitalen Errungenschaften, unsere schnelllebige Welt, die Globalisierung: Diese Begriffe prägen den Lebensstil unserer Generation. Wir wollen und können nicht darauf verzichten, aber umso höher sollte zu Hause der Kuschelfaktor sein! Cocooning, das Zurückziehen, ist momentan ein viel verwendetes Schlagwort. Je weiter wir uns im Alltag von der Natur entfernen, desto wichtiger werden natürliche Materialien und Motive in unseren eigenen vier Wänden. Sie stehen für Behaglichkeit. Die Betrachtung eines Motivs aus der Natur entspannt unseren Körper und unseren Geist.

Red.: Die Farbe Ultra Violet ist die Farbe des Jahres 2018 – im Vergleich zum eher beruhigenden Grünton Greenery vom letzten Jahr ist sie deutlich intensiver. Welche Wirkung kann man mit der neuen Trendfarbe erzielen?

Ulrike Strauss: Anders als in der Modewelt sind angesagte Trendfarben im Interior-Bereich über viele Jahre starke Zugpferde. Und das ist auch gut so, schließlich wollen und können wir unser Mobiliar oder die Wandfarbe ja nicht ständig wechseln! Ultra Violet, die Trendfarbe von 2018, wirkt entspannend und ruft Erinnerungen an die Weite des Nachthimmels hervor. Sie ist spirituell und fördert das seelische Gleichgewicht. Um im Trend zu liegen, müssen jedoch nicht gleich alle Wände in dem Ton gestrichen werden. Ein paar Akzente genügen, um den angenehmen Effekt zu erzielen, etwa in Form von Vasen, Kissen, Bildern. Ultra Violet kann gut mit Weiß oder gedeckten Farben kombiniert werden.

Blüte auf Leinwand - Ulrike Strauss

Ultra Violet Schlafzimmer

Red.: Wir sollten uns bei der Einrichtung also mehr Gedanken über die Wirkung von Farben machen?

Ulrike Strauss: Ja, unbedingt! Ihre Wirkung wird immer noch unterschätzt. Dabei zeigen Ergebnisse aus der Farbpsychologie, dass Farben einen direkten Einfluss auf biochemische Prozesse des Menschen haben. Sie beeinflussen Gefühle, Gedanken, das Wohlbefinden, einfach alles.

Danke für das Interview!

Bilder: Ulrike Strauss